Über diesen Blog

Die Initiative „Bürger.Courage“ gründete sich im Jahr 2005 zum einen angesichts des Einzugs der NPD in den sächsischen Landtag 2004 und des größten Aufmarschs von Neonazis seit 1945 in Dresden, zum anderen aber insbesondere wegen des offensichtlichen Desinteresses der Dresdnerinnen und Dresdner gegenüber diesen Ereignissen.

Doch die nähere Beschäftigung mit dem Thema erschreckte uns: Ohne in Hysterie zu verfallen, Dresden hat ein Problem, das schlimmer ist, als sich die meisten eingestehen wollen oder es vielleicht auch erahnen. Dresden ist zum festen Wallfahrtsort von Neonazis aus ganz Deutschland und Europa geworden. Viele Menschen sind einem Alltagsrassismus ausgesetzt, der weit bis in die Mitte der Gesellschaft reicht. Beispiele? Man muss nur nachfragen. Menschen mit anderer Hautfarbe werden bespuckt, beschimpft, in Läden nicht bedient, in Behörden diskriminiert. Gleichzeitig ist ein Mangel an Positionierung gegen eine solche Entwicklung festzustellen. Der Vorstandsvorsitzende eines großen Dresdner Unternehmens lehnte ein Projekt „für Demokratie“ ab, weil man mit einem solchen Projekt vielleicht andere diskriminieren könnte. Man darf also nicht für Demokratie werben, weil man damit Antidemokraten in ihrer Freiheit einschränkt? Auch eine solche Antwort eines Verantwortlichen eines öffentlichen Unternehmens hat uns erschreckt. Die Demokratieverdrossenheit nimmt zu, gleichzeitig engagieren sich immer weniger Menschen für ein lebendiges Gemeinwesen.

Seit 2005 hat sich zwar vieles in Dresden bewegt. Bei weitem aber noch nicht genug. Die Probleme sind immer noch vorhanden, wenngleich die Problemanalyse bei den meisten Zuständigen zugenommen hat – allerdings immer noch nicht bei allen und auch nicht im vollen Maße.

Dieser Blog soll nun nicht nur das aktuelle Projekt “Neue Weiße Rose” von Bürger.Courage begleiten. Es soll hingegen langfristig dazu dienen, Engagement für Demokratie und gegen Rechtextremismus zu dokumentieren. Jeder und jede können täglich etwas tun. Man kann sich viele Jahre in einem Verein engagieren, oder einfach im Alltag aktiv sein, im Kleinen wie im Großen. Der Einsatz für Demokratie und die Gegenwehr gegen rechtsextremes Denken brauchen einen langen, immerwährenden Atem.